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Zum Firmament seh' ich auf,
Denn beim Blick in die Weiten
Zählt wenig, was zwischen uns liegt.
Sterne blicken zurück,
Rufen: "Fliege, mein Freund, heute Nacht ist dein Tag,
und wer klug ist, der fliegt."
Der Flug der Engel entblößt meinen Neid,
Ach, wär' doch auch ich schon dem Tode gweiht.
Auf Himmlischen schwingen durchglitt' ich die Nacht,
Von den Sternen mit Schutz und mit Obhut bedacht.
Den Weg weist Luna, die Göttliche, mir,
So bin ich vor der Dämm'rung des Morgens bei Dir.
Nun heb' ich mich auf,
Gefühle zu reiten, zu folgen
Dem Rufe der Nacht,
Denn die Wirklichkeit bricht
Durch die Kraft meines Herzens,
Und so kann ich schweben, ganz lautlos und sacht...
Die Wirklichkeit sticht,
In meine Augen, in mein Herz,
Streckt mich nieder, beendet den Tanz...
Denn durch Lichtstrahlen wird nun der Himmel verletzt,
An meiner Gram sich die flammende Quelle ergötzt.
Ihr Gestirne, vor dem Schlummern erbitte ich nur,
Leistet mir noch diesen einzigen Schwur:
Bevor Ihr vergeht, sie zu küssen von mir,
Denn mein Traum ist verwirkt, so verweile ich hier...
Im Bauch
Ein Hauch von Furcht liegt in der Luft,
Als ihn die Schwester ins Behandlungszimmer ruft.
Er schleppt den Körper an den anderen vorbei,
Die Seele wartet zwischenzeitlich vor Ordinationsraum 2.
Sie hört, wie er sich drinnen streckt,
Wie man den Leib mit einem blauen Tuch bedeckt.
Gespannt hält sie den Atem an
Und hofft, dass man in ihm nichts Böses finden kann.
Doch im Radio wird das Lied plötzlich leiser,
Da schreit sich seine Seele draussen vor der Türe heiser:
Wenn ihr müsst, schneidet ihn auf,
Und holt die Wut aus seinem Bauch heraus.
Durchkämmt die Zellen, durchsucht jeden Fleck,
Doch nehmt mir meinen Körper noch nicht weg.
Sie sind noch jung, mit Ihrer Kraft
Haben Sie die Sache leichter hinter sich gebracht.
Natürlich sollten Sie es weiter überwachen,
Ich würde mir an Ihrer Stelle jedoch keine Sorgen machen.
Der Satz verhallt in seinem Ohr
Und dringt erst gar nicht bis in sein Bewusstsein vor.
Die Sommerblumen vor dem Haus
Sehen so als hätte er sie vorher nie gesehen aus.
Und im Radio läuft das Lied von gestern,
Er denkt an seine Mutter, seine Frau und seine Schwestern,
Ans Fliegen, an die Wellen, an den Sand,
An die Muscheln in der Hand.
Wenn Du willst, schlitzt man Dich auf
Und holt die Wut aus Deinem Bauch heraus,
Durchkämmt die Zellen, durchsucht jeden Fleck,
Doch Deinen Körper nimmt man Dir nicht weg.
Wenn Du fällst, dann stehst Du auf,
Du nimmst jetzt jedes Hindernis in Kauf,
Zwar lässt der Weg Dir diesmal keine Wahl,
Verdammt, verliere Dich kein zweites Mal.
Wenn man den Kopf ein wenig senkt,
Sieht man, dass da kein Netz ist, das einen Sturz auffängt.
Erfüllt von Scham und Eitelkeit
Wiegen wir uns Tag für Tag in falscher Sicherheit.
Der Tod findet einfach nicht statt,
So, als ob man ihn niemals unter uns gesehen hat.
Wir leben dämlich, fett und froh;
Gestorben wird nicht hier, man stirbt nur anderswo.
Und im Radio läuft das Lied von morgen,
Die Antwort auf die Frage nach der Zukunft bleibt verborgen.
Wenn ihr müsst, schneidet mich auf,
Und holt die Wut aus meinem Bauch heraus.
Durchkämmt die Zellen, durchsucht jeden Fleck,
Doch meinem Körper nehmt ihr mir nicht weg.
Wenn ich falle, steh' ich auf,
Ich nehme jedes Hindernis in Kauf,
Lässt mir der Weg auch diesmal keine Wahl:
Nein, ich verliere mich kein zweites Mal.